Die 13 Pilot-Kommunen

Die erste Phase des Pilotprogrammes „Demografiefeste Kommune“ startete im Herbst 2021 mit insgesamt 10 Pilot-Kommunen. Im Herbst 2022 wurden im Rahmen der zweiten Programmphase drei weitere Mittelstädte in den Kreis der Pilot-Kommunen aufgenommen.

Bayernkarte mit den Pilot-Kommunen

Die sieben Gemeinde(-zusammenschlüsse)

Um die unterschiedlichen Auswirkungen des demografischen Wandels auf die einzelnen Regionen Bayerns zu verdeutlichen und alle Regionen Bayerns am Programm teilhaben zu lassen, wurde aus jedem Regierungsbezirk eine Gemeinde mit bis zu 20.000 Einwohnern ins Pilotprogramm aufgenommen. Die einzelnen Pilot-Kommunen versinnbildlichen, wie unterschiedlich, aber dennoch homogen der gesellschaftliche Wandel kleine bis mittelgroße Kommunen treffen kann und vor welche besonderen Herausforderungen diese gestellt werden.

Oberbayern: Zusammenschluss Apfeldorf, Unterdießen, Fuchstal

  • Gemeindezusammenschluss mit rd. 6.600 Einwohnern (Stand 31.12.20) im Südwesten Oberbayerns
  • Landkreis Landsberg am Lech
  • Im ländlichen Raum und teilw. im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 114.000 Euro

Der Zusammenschluss der drei oberbayerischen Gemeinden Apfeldorf, Unterdießen und Fuchstal gehört auf den allerersten Blick zu den ‚Gewinnern‘ des demografischen Wandels und erfreut sich seit Jahren stetig wachsender Einwohnerzahlen. Aber auch diese demografischen Veränderungen bedeuten eine Herausforderung. Für die drei Gemeinden gilt es, das Wachstum zu meistern, Neu- und Altbürger zusammenzubringen und die Identität in den Gemeinden zu bewahren. Der starke Verbund steht exemplarisch für viele Gemeinden im Umfeld der bayerischen Metropolregionen.

Oberpfalz: Stadt Waldmünchen

  • Stadt mit rd. 6.600 Einwohnern (Stand 31.12.20) im Osten der Oberpfalz im bayerisch-tschechischen Grenzraum
  • Landkreis Cham
  • Im ländlichen Raum und im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 114.000 Euro

Der demografische Wandel trifft die oberpfälzische Stadt Waldmünchen erkennbar: Sie kämpft mit einer überdurchschnittlich starken Überalterung; gleichzeitig wird dieser Trend verschärft durch eine stetige Abwanderung - gerade jüngerer Menschen - aus der Region. Die Stadt Waldmünchen stellt sich mit aller Kraft gegen diese Entwicklung und möchte durch ihr Engagement nicht nur die eigene Lage umkehren, sondern die Situation in der gesamten Region verbessern.

Oberfranken / Unterfranken: Initiative Rodachtal

  • Gemeindezusammenschluss mit rd. 17.000 Einwohnern (Stand 31.12.20) im Norden Oberfrankens, an der thüringischen Grenze
  • Auf bayerischer Seite werden gefördert: Die oberfränkischen Kommunen Ahorn, Itzgrund, Seßlach, Weitramsdorf und das unterfränkische Untermerzbach
  • Landkreise Coburg und Haßberge
  • Im ländlichen Raum und im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 114.000 Euro

Die „Initiative Rodachtal“ ist seit 20 Jahren ein erfolgreicher Zusammenschluss zwischen sechs bayerischen und fünf thüringischen Gemeinden. Der Zusammenschluss hat längst erkannt, in interkommunaler Zusammenarbeit lassen sich die Veränderung der Bevölkerungsstruktur und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Bedarf vor Ort und das bürgerschaftliche Engagement besser bewältigen. Die starke Zusammenarbeit über Regierungsbezirke und Ländergrenzen hinweg ist ein großartiges Vorbild für interkommunale Zusammenarbeit.

Mittelfranken: Stadt Bad Windsheim

  • Stadt mit rd. 12.200 Einwohnern (Stand 31.12.20)
  • Landkreis Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim
  • Im ländlichen Raum und im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 114.000 Euro

Als beliebter Kur- und Reha-Ort konnte die mittelfränkische Stadt Bad Windsheim in den letzten zehn Jahren einen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. Dieses Wachstum geht allerdings mit einer zunehmenden Überalterung einher. In Bad Windsheim gibt es bereits eine Vielzahl engagierter Menschen, die sich den Herausforderungen, wie dem Fehlen von bedarfsgerechten ÖPNV-Angeboten oder einem ausreichend barrierefreiem öffentlichen Raum, stellen. Mit Hilfe des Pilotprogramms soll unter anderem das Engagement in generationsübergreifende Projekte koordiniert und gestärkt werden.

Unterfranken: Gemeinde Oerlenbach

  • Gemeinde mit rd. 5.000 Einwohnern (Stand 31.12.20) in der Nähe von Schweinfurt
  • Landkreis Bad Kissingen
  • Im ländlichen Raum und im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 114.000 Euro

Die Gemeinde Oerlenbach in Unterfranken möchte verstärkt um Rückkehrer und den Zuzug junger Familien werben. Als Gründungsmitglied der Ökomodellregion „Allianz Oberes Werntal“ verfolgt die Gemeinde ein klimasoziales, generationsgerechtes Wachstum in den Bereichen Wohnen, Leben und Arbeiten. Sie steht beispielhaft für einen nachhaltigkeitsortientierten Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen.

Schwaben: Verwaltungsgemeinschaft Wemding

  • Gemeindezusammenschluss mit rd. 10.700 Einwohnern (Stand 31.12.20) im Norden Schwabens an der Grenze zu Mittelfranken
  • Geförderte Kommunen: Stadt Wemding und die Gemeinden Fünfstetten, Huisheim, Otting, Wolferstadt
  • Landkreis Donau-Ries
  • Im ländlichen Raum gelegen
  • Fördersumme: 114.000 Euro

Die Verwaltungsgemeinschaft Wemding im Norden Schwabens hat bereits viel erreicht: Die Ansiedlung eines Dorfladens, den Bau einer Tagespflegeeinrichtung und die aktive Jugendarbeit haben sie gemeinsam gestemmt. Mit Hilfe des Pilotprogramms will die Verwaltungsgemeinschaft unter anderem das Problem der ärztlichen Versorgung angehen, aber auch altersgerechte Wohnräume und Pflegeeinrichtungen für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger werden Thema sein.

Der Stadtteil Sanderau - Stadt Würzburg

Der demografische und gesellschaftliche Wandel konfrontiert urbane Gebiet auf andere Weise und mit anderen Herausforderungen als kleinere Kommunen: Die dicht besiedelte Stadtbevölkerung muss etwa mit ausreichend Infrastruktureinrichtungen, bezahlbarem Wohnraum und Betreuungseinrichtungen versorgt werden. Das Pilotprogramm fördert aus diesem Grund auch die Stadt Würzburg mit dem Stadtteil Sanderau exemplarisch als eine von acht bayerischen Großstädten.

Am Beispiel der Sanderau sollen Erkenntnisse für andere Großstädte, bayerische Mittelzentren und Universitätsstädte gewonnen werden.

  • Würzburg ist eine unterfränkische Großstadt mit rd. 127.000 Einwohnern (Stand 31.12.20); die Sanderau ist einer von 13 Stadtbezirken
  • Im Verdichtungsraum gelegen
  • Fördersumme: 114.000 Euro

Der Stadtbezirk Sanderau in Würzburg erfreut sich großer Beliebtheit, vor allem Studierende und junge Familien, aber auch Seniorinnen und Senioren haben sich dort niedergelassen. Trotz des hohen Anteils an Studierenden handelt es sich bei der Sanderau im stadtweiten Vergleich - gemessen am Durchschnittsalter - um einen der ältesten Stadtbezirke Würzburgs. Der Bezirk ist geprägt von den gegensätzlichen Bedürfnissen der einerseits sehr jungen, aber andererseits überdurchschnittlich alten Bevölkerung. Zudem leben über zwei Drittel der Einwohner in Single-Haushalten. Mit dem Pilotprogramm möchte die Stadt Würzburg sowohl den Bedürfnissen älterer Menschen nach einem selbstbestimmten Leben im Alter, als auch den Bedürfnissen jüngerer Menschen gerecht werden.

Der Landkreis Tirschenreuth

Die Auswirkungen des demografischen Wandels machen vor Gemeindegrenzen keinen Halt. Daher ist nicht nur die kommunale Arbeit in einzelnen Gemeinden von den zukünftigen Herausforderungen betroffen. Auf Landkreisebene wird dies längst erkannt: Es wurden und werden bereits enorme Anstrengungen unternommen, um die mit dem demografischen Wandel einhergehenden Veränderungen gemeinsam als Region zu bewältigen.

Mit dem Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz unterstützt das Pilotprogramm einen Pilot-Landkreis, an dessen Vorbild Erfahrungen für andere bayerische Landkreise mit ähnlichen Problemstellungen und Aufgaben gewonnen werden sollen.

  • Tirschenreuth ist ein oberpfälzischer Landkreis mit rd. 71.700 Einwohnern (Stand 31.12.20)
  • Im ländlichen Raum und im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 174.000 Euro

Der oberpfälzische Landkreis Tirschenreuth hat bereits viele Anstrengungen und verschiedene Initiativen ergriffen, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken. Der Bevölkerungsrückgang hat hier unter anderem Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme, die regionale Wirtschaft, aber auch auf die Siedlungs- und Infrastruktur. Um Synergien zu schaffen und neue Ansätze aufzuzeigen, sollen die Erfahrungen der letzten Jahre mithilfe des Pilotprogramms zusammengefasst und weiterentwickelt werden.

Die Region Forggensee

Interkommunale Ansätze sowie gemeinsame Leitgedanken und Kooperationen sind wesentliche Faktoren dafür, dass sich Regionen bestmöglich für ihre Zukunft rüsten können. Auch außerhalb der klassischen Gebietsabgrenzungen, stehen Kommunen häufig vor gemeinsamen Problemstellungen, die eine ganze Region betreffen können. Die Anrainergemeinden am Forggensee haben genau das erkannt und sich als Region gemeinsam für das Pilotprogramm „Demografiefeste Kommune“ beworben.

Das regionale Bündnis aus der Stadt Füssen und den Gemeinden Halblech, Lechbruck am See, Rieden am Forggensee, Roßhaupten und Schwangau steht vor den Herausforderungen, den Schutz der Landschaft, der Gewässer- und Lebensraumqualität in Einklang mit der Tourismuswirtschaft und der demografischen Entwicklung der Bevölkerung zu bringen.

  • Schwäbische Region mit rd. 28.700 Einwohnern (Stand 31.12.20)
  • Landkreis Ostallgäu
  • Im ländlichen Raum gelegen
  • Fördersumme: 144.000 Euro

Die Region Forggensee legt einen Schwerpunkt auf die Vereinbarkeit von Umweltschutz und Tourismus. Mit einer gemeinsamen Strategie und einem Maßnahmenkonzept sollen die Veränderungen der Landschaft, der Gewässer, der Lebensraumqualität sowie der Tourismuswirtschaft im Umfeld des Forggensees wieder in Einklang gebracht werden.

 

Die drei Mittelstädte (zweite Programmphase)

Im Herbst 2022 startete die zweite Förderrunde, in der explizit die Perspektive von Mittelstädten mit einer Größe zwischen 20.000 bis 100.000 Einwohnern einbezogen werden soll. Diese Mittelstädte stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen urbanem und ländlichen Raum dar und stehen hier vor ganz eigenen Herausforderungen des demografischen Wandels. Die drei geförderten Städte repräsentieren hier die ganze Bandbreite bayerischer Mittelstädte.

Große Kreisstadt Traunstein (Oberbayern)

  • Große Kreisstadt mit rd. 20.700 Einwohnern (Stand 31.12.2021)
  • Landkreis Traunstein
  • Im ländlichen Raum mit Verdichtungsansätzen
  • Fördersumme: 108.000 Euro

Die Große Kreisstadt Traunstein ist als das Oberzentrum des Chiemgaus von großer regionaler Bedeutung. Mit seinen rund 20.700 Einwohnern zählt Traunstein zu den kleineren Mittelstädten und ist damit besonders repräsentativ für Mittelstädte im ländlichen Raum. In den letzten zehn Jahren erlebte Traunstein ein deutliches Bevölkerungswachstum von über 10 %, vor allem in der Altersgruppe von 50-65. Bereits heute sind 44 % der Einwohner Traunsteins älter als 50 Jahre. Dieses Wachstum muss für die Zukunft begleitet und generationengerecht gestaltet werden. Traunstein will sich als attraktive und resiliente Stadt der Zukunft aufstellen und verfolgt - unter dem Motto „Aufbruch statt Krise“ - den Ausbau familienfreundlicher Angebote in allen Bereichen, die Schaffung guter Lebensbedingungen für ältere Generationen und die Sicherstellung von Teilhabemöglichkeiten und Barrierefreiheit im städtischen Leben. Das Pilotprogramm Demografiefeste Kommune unterstützt die Stadt Traunstein dabei, tragfähige und nachhaltige Konzepte für diese Zukunftsaufgaben zu entwickeln.

Stadt Weiden i.d.OPf. (Oberpfalz)

  • Kreisfreie Stadt mit rd. 42.500 Einwohnern (Stand 31.12.2021)
  • Im ländlichen Raum mit Verdichtungsansätzen und im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 108.000 Euro

Das in der nördlichen Oberpfalz gelegene Weiden i.d.OPf. ist mit seinen rund 42.500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Oberpfalz. Die Bevölkerungsentwicklung stagniert hier seit mehr als 20 Jahren und mit einem prognostizierten Bevölkerungsrückgang von 3,2 % bis zum Jahr 2040 (ggü. 2020 - Stand 2021) ist Weiden eine der am höchsten von Schrumpfungsprozessen betroffenen bayerischen Mittelstädte. Auch Weidens Umland ist stark vom demografischen Wandel betroffen, was seine Rolle als Oberzentrum in Zukunft umso wichtiger macht. Trotz der demografischen Entwicklung und einer angespannten Haushaltssituation gilt es hier, die Kernaufgaben als Oberzentrum - u. a. in den Bereichen Gesundheits- und Daseinsvorsorge, Bildung und Infrastruktur - weiterhin zu gewährleisten. Weiden hat es sich zum Ziel gesetzt, ein attraktives Oberzentrum mit gesellschaftlichem Zusammenhalt über alle Altersgruppen hinweg zu bleiben. Die Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen hier im Vordergrund. Hierbei soll das Pilotprogramm Demografiefeste Kommune darin unterstützen ganzheitliche Konzepte zu entwickeln und bereits bestehende Initiativen und Akteure noch besser zu vernetzen.

Stadt Bayreuth (Oberfranken)

  • Kreisfreie Stadt mit rd. 73.900 Einwohnern (Stand 31.12.2021)
  • Im ländlichen Raum mit Verdichtungsansätzen und im Raum mit besonderem Handlungsbedarf gelegen
  • Fördersumme: 108.000 Euro

Die im Herzen Oberfrankens gelegene Stadt Bayreuth ist mit ihren rund 73.900 Einwohnern die zweitgrößte bayerische Mittelstadt und die zehntgrößte Stadt Bayerns. Trotz seiner zentralen Bedeutung für Oberfranken - u. a. als Sitz der Regierung von Oberfranken - und seiner weltweiten Bekanntheit ist auch die Stadt Bayreuth vom demografischen Wandel betroffen. Für das Jahr 2040 gehen Prognosen von einem zunehmenden Bevölkerungsrückgang von bis zu 3 % aus (ggü. 2020 - Stand 2021). Die Stadt Bayreuth hat die demografischen Herausforderungen erkannt und sich bereits im Oktober 2020 zur Erstellung eines Rahmenkonzepts Demografie entschlossen. Handlungsfelder sollen hier u. a. der Ausbau eines attraktiven Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes, die Stärkung als familienfreundliche und kulturell offene Stadt sowie die Gestaltung der Stadt für eine alternde Gesellschaft sein. Die bereits hohe Eigeninitiative soll das Pilotprogramm Demografiefeste Kommune unterstützen und dabei helfen, den begonnenen Weg erfolgreich weiterzuführen.

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