Heimatpreis Bayern

Die Preisträger - Schwaben

Augsburger Heimatgeschichte - Franz Häußler und Martin Kluger

Franz Häußler und Martin Kluger engagieren sich dafür, die Augsburger Heimatgeschichte zu erforschen und diese auf vielfältiger Weise einem breiten Publikum näher zu bringen. Wissensvermittlung ist ein wichtiges Element der Heimatpflege, ob in Form von Büchern, Vorträgen, Ausstellungen oder Dokumentationen. Denn erst ein grundlegendes Wissen über die eigene Heimat ermöglicht eine Identifikation mit ihr. Seit mehr als 30 Jahren wachsen die Bildbestände von Stadthistoriker Franz Häußler zur Illustration von Zeitungsbeiträgen und Büchern zu Augsburgs Geschichte von der Römerzeit bis zur jüngsten Vergangenheit. Martin Kluger, Mitbegründer und Leiter des context Verlags Augsburg, setzte sich in mehreren Publikationen mit der Stadt Augsburg und insbesondere mit dem Thema Fugger auseinander und konzipierte das Fuggereimuseum sowie den Weltkriegsbunker in der Fuggerei.

Die Älpler von Bad Hindelang

Das Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen um Bad Hindelang ist als Kronjuwel der bayerischen Kulturlandschaft im bayerischen Verzeichnis für immaterielles Kulturerbe eingetragen und ein „Edelstein der Alpen“. Die offene hochalpine Kulturlandschaft ist identitätsstiftend für die gesamte Gemeinde, ein Touristenmagnet Bayerns sowie ein Vorzeigebeispiel für die bayerische Almwirtschaft. Die Alpwirtschaft ist Spiegelbild für Lebensraum und Lebensweise der dort ansässigen Menschen. Im Kern geht es dabei um Bräuche, Traditionen und Rituale und insbesondere um das über Jahrhunderte erworbene Wissen, mit der Natur schonend umzugehen.

Donauwörther Fischerstecher e.V.

Der Vereinsgeschichte geht eine langjährige Tradition in Donauwörth voraus: Fischerstechen gab es bereits zwischen 1737 und 1877. Der 1983 gegründete Verein ließ diese historische Tradition wieder aufleben. Das Fischerstechen auf der Wörnitz in Donauwörth ist ein liebenswertes und identitätsstiftendes Brauchtum.

Frundsberg-Festring Mindelheim e.V.

Der Verein mit rund 1.300 Mitgliedern veranstaltet alle drei Jahre das Frundsbergfest zum Gedenken an den einstigen Vater der Landsknechte und kaiserlichen Feldherrn, den Mindelheimer Georg von Frundsberg (1473-1528). Damit führten sie eine langjährige Tradition des historischen Stadtfestes aus dem 19. Jahrhundert in Mindelheim fort. Der Verein versetzt die Stadt mit rd. 2.500 Mitwirkenden für elf Tage ins Mittelalter zurück. Das Frundsbergfest zählt zu den größten historischen Festen Süddeutschlands und begeistert rund 120.000 Besucher. Der Verein gründete und fördert ferner historische und musische Gruppen und engagiert sich für die Brauchtumspflege als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Historischer Heimat- und Kinderfeste Süddeutschlands.

Leonhardiritt Inchenhofen

Das größte Wallfahrtsfest in Inchenhofen ist das Leonhardifest. Der bereits vom Fürstenfelder Abt Paul Herzmann 1459 eingeführte Pferderitt gilt als der älteste in Bayern. Besondere Glanzpunkte des Inchenhofener Leonhardiritts sind Festwägen, auf denen in „lebenden Bildern“ Szenen aus dem Leben des hl. Leonhard, aus der Inchenhofener Wallfahrtsgeschichte und aus dem bäuerlichen Leben dargestellt werden. Der Leonhardiritt ist Ausdruck eines gelebten (katholischen) Glaubens in Bayern.

Narrenzunft Lindau/Bodensee e.V.

1969 erfolgte die Gründung der Narrenzunft Lindau (Bodensee) e. V. aus dem Zusammenschluss der bestehenden Narrenzünfte „Lindauer Moschtköpfe“ und „Lindauer Binsengeister“. Hinzu kamen später die „Lindauer Schanzengarde“, die „Lindauer Pflasterbuzen“, die „Lindauer Kornköffler“ und der „Lindauer Fanfarenzug“. Seit 2014 hat die schwäbisch-alemannische Fastnacht als immaterielles Kulturerbe in Deutschland besonderen Stellenwert. In der schwäbisch-alemannische Fastnacht leben jahrhundertealte Traditionen fort. Die Narrenzunft sorgt für den Erhalt, die Pflege und die Förderung dieses ererbten, bodenständigen Fastnachtsbrauchtums.

Colomansfest und Colomansritt Schwangau

Das Colomansfest mit dem Colomansritt ist eine der schönsten Pferdeprozessionen im Freistaat und findet an einer der schönst gelegenen Kirchen ganz Bayerns statt. Immer am zweiten Oktobersonntag ziehen 200 Reiter aus Schwangau und Umgebung in traditioneller Tracht auf prächtig geschmückten Pferden mit Musik zur Kirche St. Coloman. Dort wird eine Messe im Zeichen des Heiligen Coloman, der Schutzpatron der Tiere, gefeiert. Die Veranstaltung ist beeindruckendes Bekenntnis zu Glaube, Heimat und Brauchtum und gleichzeitig Zeichen für die Verwurzelung unserer Kultur und unseres Brauchtums im christlichen Glauben.

Dillinger Nachtumzug

Der Dillinger Nachtumzug ist einer der absoluten Höhepunkte in Schwabens Faschingskalender. 120 bunte Faschingsgruppen aus nah und fern und tausende Mitwirkende bringen mit Musik und Show, Feuer und Licht stimmungsvoll die Nacht zum Glühen und begeistern tausende Besucher. Der Dillinger Nachtumzug ist vor allem auch lebendiges, modernes Faschingsbrauchtum und gleichzeitig Paradebeispiel für ehrenamtliches Engagement.

Erkheimer Klausen e. V.

Der 1964 gegründete Erkheimer Klausenverein ist eine der ältesten Klausenorganisationen im Allgäu und in Schwaben. Mit dem alemannischen Winterbrauch sollen durch das furchterregende Äußere der Gestalten und mit Lärm die bösen Wintergeister vertrieben werden. Die mehr als 70 Mitglieder des Klausenvereins besuchen Erkheimer Kinder und Senioren zu Hause und verteilen am 5. und 6. Dezember kleine Rupfensäcke mit Geschenken. Gleichzeitig organisiert der Klausenverein verschiedene regional bedeutende Umzüge, zum Beispiel einen Nachtumzug am ersten Adventswochenende, und nimmt an überregionalen Veranstaltungen teil.

Freilichtspiele Altusried

Die Allgäuer Freilichtspiele sind das bekannteste Aushängeschild des Marktes Altusried - er ist untrennbar mit den Freilichtspielen verbunden. Laut mündlichen Überlieferungen besuchten mehr als 9.000 Besucher die erste Aufführung im Jahr 1879. Seitdem zieht sich das Thema „Freiheitskampf“ wie ein roter Faden durch alle Aufführungen, die in erster Linie von ehrenamtlichen Darstellern aus Altusried aufgeführt werden. Der Durchbruch als anerkannte Freilichtbühne gelingt den Altusriedern mit dem Stück „Andreas Hofer“, das sie bis heute nicht mehr losgelassen hat. Das Theaterspielen in Altusried ist nicht nur eine große Leidenschaft, sondern vor allem eine große Gemeinschaftsleistung von etwa 500 Mitwirkenden.

Kinderbrotspeisung Burgau

Die Kinderbrotspeisung Burgau ist der älteste Faschingsbrauch in der Markgrafenstadt Burgau. 1594 beschloss der Magistrat - begründet durch eine Hungersnot - am Rosenmontag Lebensmittel an die Kinder zu verteilen. Der über 400 Jahre alte Brauch der Kinderbrotspeisung wurde auch in der Zeit des 30-jährigen Kriegs fortgesetzt - trotz Hunger und Pest. Die Figur des Trommler-Albert zieht am Rosenmontag mit Kindern durch die Innenstadt und erhält auf das Rufen von Faschingssprüchen von Geschäftsleuten Essen sowie Süßigkeiten für die Kinder. Am Burgauer Faschingsbrauch sind neben dem Trommler-Albert, die Burgauer Stadtsoldaten und die Handschuhmacherkapelle beteiligt.

Sprachatlas für Bayerisch-Schwaben

Der Sprachatlas für Bayerisch-Schwaben dokumentiert die geographische Verteilung der Dialekte Bayerisch-Schwabens und steht damit für den wissenschaftlichen Ansatz der Dialektpflege. Vor über 30 Jahren wurde das Projekt durch Prof. Dr. Werner König an der Universität Augsburg gestartet und ist in der Zwischenzeit zu einem abgeschlossenen Atlas mit 16 Bänden und weiteren Veröffentlichungen gewachsen. Der Atlas liefert eine wertvolle Grundlage zu weiteren sprachwissenschaftlichen, sprachgeschichtlichen, landeskundlichen und historischen Forschungen. Das erhobene Material wird auf Sprachkarten dargeboten, auf denen die verschiedenen dialektalen Varianten durch Symbole wiedergegeben werden. Der Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben ist kein isoliertes Einzelprojekt, sondern erfolgt im Rahmen des gesamtbayrischen Sprachatlasunternehmens Bayerischer Sprachatlas. Er ist das älteste Projekt seiner Art und lieferte die Grundlage für eine Vielzahl weiterer Atlanten.

Tänzelfest Kaufbeuren

Das Tänzelfest Kaufbeuren ist das älteste historische Kinderfest Bayerns und fördert das Geschichtsbewusstsein von klein auf. Auf dem Tänzelfest spielen die Kinder von Kaufbeuren die Geschichte ihrer Stadt nach. Höhepunkte bilden der Einzug des Kaisers Maximilian I., mit dem einer der 14 Kaiserbesuche der Reichsstadt nachgestellt wird, und der Festumzug. Rund 1.750 Kinder, 36 Festwagen, 170 Pferde und zahlreiche Musikgruppen nehmen an dem Umzug teil. Daneben ist mit Lagerleben, historischem Markttreiben, Zunfttänze und Reigen der Tänzelfest-Tanzgruppen ein umfangreiches Programm geboten. Mit dem Tänzelfest Kaufbeuren werden historische Geschehnisse aktiv in Erinnerung gehalten.

Wallensteinfestspiele Memmingen

Die Wallensteinfestspiele Memmingen sind mit über 4.000 Mitwirkenden das größte Historienfestspiel in Europa und finden seit 1980 alle vier Jahre statt. Mit den Wallensteinfestspielen wird Geschichte anschaulich erlebbar gemacht. Die Besucher werden in eine der interessantesten und tragischsten Epochen der deutschen Geschichte, dem 30-jährigen Krieg im Jahr 1630, zurückversetzt. In diesem Jahr residierte Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, Generalissimus des Heeres der Katholischen Liga und damit einer der mächtigsten Männer in Europa, in Memmingen. Mit hoher Detailtreue, großem Einsatz und auf grandiose und eindrucksvolle Weise wird an die Vergangenheit der eigenen Heimat erinnert.

Augsburger Hohes Friedensfest

Das Augsburger Friedensfest entstand 1650 aus Anlass der Wiedererlangung der freien protestantischen Religionsausübung. Das heute bewusst überkonfessionell und interreligiös ausgerichtete Friedensfest am 8. August ist ein zentrales gesellschaftliches Festereignis mit gegenwärtig über 60 Veranstaltungen, wie beispielsweise der Friedenstafel oder dem Kinderfriedensfest. Das Fest wurde 2018 in das bayerische Landesverzeichnis und das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Geopark Ries Führerinnen und Führer

Der Geopark Ries mit Nördlingen im Zentrum ist eine geologische Besonderheit 1. Ranges und ein wichtiger Kulturraum. Der am besten erhaltene Einschlagkrater Europas entstand vor etwa 14,5 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag. Das „Nördlinger Ries“ umfasst eine Fläche von 1.750 km², fast sechs Mal so groß wie München. Das Ries ist eine Schatzkammer der Vor- und Frühgeschichte. Die fachkundigen, eigens als Natur- und Landschaftsführer ausgebildeten Führerinnen und Führer teilen unermüdlich ihr Wissen in den Bereichen Geologie, Natur und Landschaft sowie Besiedlungsgeschichte und Archäologie mit den zahlreichen Besuchern aus aller Welt.

Dorfladennetzwerk Donau-Ries

Das Dorfladennetzwerk Donau-Ries gibt es seit 2016, ist deutschlandweit einzigartig und umfasst zehn genossenschaftlich geführte Dorfläden. Die Läden bieten neben Einkaufsmöglichkeiten ein Café, ein Bistro und einen Mittagstisch für Familien, Kinder und Senioren. Einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zu den regionalen Wertschöpfungsketten leistet die Vermarktung regionaler Produkte mit speziellem Siegel. Durch regelmäßige Treffen zum Austausch, zur Planung gemeinsamer Projekte und der gegenseitigen Unterstützung im Dorfladennetzwerk konnten sich die Dorfläden langfristig festigen. Sie sichern somit die Versorgung vor Ort mit Produkten des täglichen Bedarfs – vor allem für die ältere Bevölkerung. Als sozialer Treffpunkt sind die Dorfläden zudem Orte der Vernetzung der Dorfgemeinschaft. Mit ihrem Engagement stärkt das Dorfladennetzwerk Donau-Ries den ländlichen Raum auf innovative Weise und sorgt dafür, dass unsere Dörfer eine lebenswerte Heimat bleiben.

Förderkreis Synagoge Binswangen e. V.

Der Förderkreis ist Träger und Verwalter der Synagoge und erinnert mit seiner Arbeit an das jüdische Leben in Binswangen. Drei Jubiläen im Jahr 2021 zeugen von einem sehr alten Erbe und lebendiger Erinnerung: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, 495 Jahre jüdische Tradition in Binswangen und 25 Jahre Kulturarbeit in der Alten Synagoge. Nach jahrhundertelanger Koexistenz von Juden und Christen wurde die aus dem Jahre 1836/37 stammende und älteste Synagoge im neomaurischen Stil in Deutschland 1938 durch einen SA-Trupp verwüstet und geschändet, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden deportiert und vertrieben. Mitte der 1980er Jahre kaufte der Landkreis Dillingen an der Donau die Synagoge und renovierte diese. Seit 1996 ist die Synagoge ein Haus der Begegnung und Besinnung und ein bedeutendes Kulturzentrum für die gesamte Region. Die 110 Vereinsmitglieder organisierten bisher 562 Konzerte und 1.575 kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen, Symposien, schulische Veranstaltungen und Gedenkakte. Der Verein erforscht und dokumentiert die jüngere regionale Geschichte, bewahrt somit das historische Erbe und macht die Wurzeln unserer Heimat sichtbar, die sonst in Vergessenheit geraten würden.